Stephan Meyer, unplugged

Der Mann ist eigentlich Unternehmensberater, aber wer seiner Blues-Gitarre und vor allem seinen skurrilen Moderationen ein halbes Stündchen lauscht, der kommt unweigerlich ins Grübeln. Ob er Rat suchenden Unternehmen auch so auf die Sprünge hilft, immer ein bisschen abseits der Realität, immer zwischen Ernst und Satire changierend, immer ein bisschen von hinten durch die Brust ins Auge?

Aus seinem "Handbuch für die Frau" spielt er die Kapitel "Schmollen 1-4", und wer da will, kann in den Gitarren-Glissandi einschlägige Verhaltensmuster entdecken. Interaktiv geht's auch zu bei Meyers Kleiner Gitarrenschule; er lässt schon mal das geneigte Publikum einen populären Werbe-Jingle erraten. Zwischendurch klampft er sich durch diverse Berufsgruppen, verweilt im klinischen Bereich bei psychosomatischen Symptomen und entführt dann seine Zuhörer übergangslos mit ruhigen, meditativen Melodien auf eine virtuelle Reise mit dem fliegenden Teppich.

Die perkussiven Elemente seines Instruments lebt er ausgerechnet bei dem Opus "Der Apfelbaum" aus, dem er zuvor eine "philosophische Komponente" attestiert hat. Seine "Fortpflanzungstrilogie" enthält neben Teil 1 nur noch einen zweiten und zugleich letzten Teil, das "Wiegenlied für einen kleinen Schreihals". Die murrenden Mathematiker im Publikum besänftigt er damit, dass es sich um Zwillinge handelt.

Damit ist der Meyersche Performance-Stil nicht schlecht gekennzeichnet. Bei der Rezeption seiner gesammelten Werke hilft es doch sehr, wenn man nicht allzu nüchtern-geradlinig denkt.

Quelle: MIND-Magazin, Juni 2003

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