Friedrichsdorf. «Kommen Sie rein. Vorsicht mit der Schwingtür! Sie befinden sich jetzt im Institut für Wirtschaftsgitarrismus. Willkommen!» Mit diesen Worten begrüßt der Friedrichsdorfer «Wirtschaftsgitarrist» Stephan Meyer Neugierige, die sich auf seiner Internet-Seite http://wirtschaftsgitarrist.de einfinden. Seine ungewöhnliche Tätigkeitsbezeichnung «Wirtschaftsgitarrist» trägt Meyer aus gutem Grund: Schließlich arbeitet der Mann seit mehr als zwölf Jahren als Unternehmensberater, spielt seit 25 Jahren Gitarre – und hat dazu eine gehörige Prise Humor.
Nicht nur bei seiner Namensfindung beweist Meyer ein hohes Maß an Kreativität: Mit seiner Blues-Gitarre spielt der Virtuose die von ihm eigens entwickelte «Taunus-Doodle-Wattworm-Chicken-Picking-Technik». Das Patentverfahren für diese Spieltechnik laufe noch, versichert der Künstler auf seiner Internetseite.
Seine Auftritte gibt der Musiker, der am selben Tag wie der britische Popstar Robbie Williams – am 13. Februar 1974 – auf die Welt gekommen ist, bei Kongressen, Unternehmensfeiern, Gala-Abenden und ähnlichen Veranstaltungen. Die Lieder, die der Gitarrero meist ohne Gesang vorträgt, behandeln Themen aus der Welt des täglichen Arbeitslebens. So gibt Meyer beispielsweise in dem «Burnout Prevention Song» durch sein Instrumentenspiel Antwort auf die Frage, wie gestresste Werktätige den so genannten Burnout-Effekt, die Ermattung durch zu viel Arbeit, vermeiden können. Wie der Besucher eines noch so langweiligen Kongresses vermeiden kann, dass ihm während eines Vortrags die Augen zufallen, veranschaulicht der jazzig angehauchte «Wirtschaftskongress Song».
Auch einzelne Berufsgruppen bekommen musikalisch ihr Fett weg – «ob Ingenieur, Naturwissenschaftler, Reiseveranstalter, Mediziner, Musiker, Mystiker, Österreicher oder Psychologen», so Meyer. Zum Beispiel behandelt der «Beamten-Song» mit schleppenden Rhythmen den allseits bekannten Büroschlaf und der rockig anmutende «Berater-Song» verdeutlicht dem Zuhörer, wie er auch hundert Meter gegen den Wind einen Berater erkennen kann. «Die Verbindung von Lied und Bezug aus der Arbeitswelt hat sich im Laufe der Zeit so herauskristallisiert», berichtet Meyer. Ursprünglich habe er bei seinen reinen Gitarrenkonzerten kleine Geschichten aus dem Arbeitsleben erzählt. Schließlich seien die Anekdoten vor dem Stück zu einem festen Bestandteil der Lieder geworden. «Nachdem ich die jeweilige Geschichte erzählt habe, kann das Publikum die Augen schließen und sich treiben lassen. Der Hörer kann sich vorstellen, welcher Teil der Geschichte durch das Gitarrenspiel gerade vertont wird», so der musikalische Unternehmensberater, der sein Geschäft mit dem Namen «Denkstelle Unternehmensentwicklung» von seinem Home Office aus betreibt. Musikalische Kostproben seiner Kunst bietet Meyer auf seiner oben genannten Internet-Seite an. Kontakt unter der Handynummer (01 74) 94 27 327. (amc)
Quelle: Taunuszeitung, Ausgabe vom 23.01.2006
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